Mit Stimmpigmente legt Valentina Dsora einen Gedichtband vor, der die Sprache in leuchtende Farbräume entfaltet.
Die Gedichte sind in Kapitel nach Farben gegliedert – Gold, Umbra, Azur, Purpur, Magenta, Indigo, Lichtpigment – und jede dieser Abteilungen öffnet einen eigenen Resonanzraum. Gold funkelt in den zarten Gedichten der Sinnlichkeit und Nähe, Umbra erdet und erinnert an die Tiefe der Zeit, Azur atmet Weite und Übermut. Purpur schlägt den Bogen zu politischer Dringlichkeit und kollektiven Wunden, während Magenta den Überschwang der Schöpfung, die Verwandlungskraft und den Mut zum Aufbruch bündelt. Indigo schließlich verweist auf Innigkeit, Stille und Trauer, bevor das „Lichtpigment“ den Band ins Transzendente öffnet.
Dsoras Sprache ist dabei von einer erstaunlichen Spannweite: minimalistisch verdichtete Miniaturen stehen neben liedhaften Gebilden, politisch aufgeladene Verse neben innigen Natur- und Liebesbildern. Immer wieder gelingt es ihr, einfache Worte so zu setzen, dass sie nachhallen, dass sie ein Echo auslösen im Leser. Ihre Lyrik hat dabei nichts Abgeschlossenes, sondern wirkt wie ein Angebot zum Mitfühlen, Mitdenken, Mitatmen.
Besonders eindrücklich ist, wie die Autorin zwischen Leichtigkeit und Schwere balanciert: Ein zärtlicher, fast spielerischer Ton („wolkenblüte“, „briefpost“) wechselt mit der wuchtigen Auseinandersetzung mit Krieg, Flucht oder Erinnerung („asche“, „ohnmacht“). Diese Kontraste verleihen dem Band Spannung und Dringlichkeit.
Stimmpigmente ist kein stilles Lyrikbuch für den Rückzug ins Private. Es ist eine poetische Landkarte, die von der Liebe ebenso spricht wie vom Verlust, von politischer Verantwortung ebenso wie vom Glück des Augenblicks.
Vorwort von Peter Rudolf, Autor und Lektor
Nachwort von Prof. Dr. Mario Andreotti, Dozent für Neuere deutsche Literatur
stimmpigmente
Gedichte von Valentina Dsora
Illustrationen: Brigitta Pauli-Glutz
2025, Verlag prolyrica, Winterthur
Hardcover, 126 Seiten, CHF 27.90
ISBN 978-3-907551-95-0
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